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Unterrichtstag in der Produktion (UTP) - Sekundarschule und Unternehmen kooperieren

Sophie schraubt in der Ecke einer Werkhalle einen Computer auseinander. Am Nachmittag soll sie unter Anleitung aus den Einzelteilen zweier Rechner einen neuen zusammenbauen. Im Umgang mit dem Werkzeug hat sie durchaus Übung. Der Vater bastele auch an Computern herum, da habe sie mitgemacht. Einen Beruf für die Zukunft sieht sie darin trotzdem nicht. Konditorin will sie werden, sagt die Hauptschülerin, und es klingt bestimmt.

Hilfe bei Berufswahl

Die 14-Jährige und die zwölf anderen Schüler der achten Hauptschul-Klasse der Sekundarschule Langenweddingen nehmen an einem Projekt teil, das an das DDR-Konzept vom "Unterrichtstag in der Produktion" erinnert und doch ganz andere Grundsätze verfolgt. Es soll die Schüler besser auf die Arbeitswelt vorbereiten und sie bei der Berufswahl unterstützen, sagt Schulleiterin Sylivia Kemp. "Vielleicht trägt es auch dazu bei, dass nicht ganz so viele abwandern."

Sophie ist heute bei H + B Omega im Einsatz. Hier werden Spezialmaschinen hergestellt, mit denen Autohersteller Cabrio-Dächer montieren. Auch die Steuerungstechnik wird entwickelt, sagt Fertigungsleiter Michael Streidt. "Computertechnik ist überhaupt nicht wegzudenken." Sophie wird über die Firma, die Berufe und die Anforderungen in der Schule berichten müssen. "So trainieren wir auch die Kommunikationsfähigkeit", sagt die Lehrerin.

Kooperation von Gemeinde, Schule und Unternehmen

Die Schule, die Gemeinde Sülzetal (Bördekreis) und heimische Unternehmen arbeiten in dem Projekt zusammen. Schüler wissen zu wenig über die Arbeitsabläufe in der Industrie, haben kaum Vorstellungen über die Anforderungen in der Lehre. Das beklagt auch Winfried Willems (CDU), Staatssekretär im Kultusministerium: "Schule ist zu oft unter einer Käseglocke". Auch den Firmen brennt das Thema auf den Nägeln, denn viele Jugendliche schmeißen die Ausbildung. 6 121 Lehrverträge verzeichnete die IHK Halle-Dessau 2004, 742 Auszubildende scheiterten im ersten Lehrjahr. Bei der IHK Magdeburg wurden 833 von gut 6 200 Verträgen wieder gelöst.

Die Schüler aus Langenweddingen verbringen beim "Praxistag zur berufsorientierenden Bildung" alle zwei Wochen einige Stunden in Betrieben - dem Metall-Unternehmen, einer Bäckerei, einer Transport-Firma und einem Feuchttuch-Hersteller. Das soll ihnen möglichst breiten Einblick verschaffen. Im Vorfeld musste weder ein Pilotprojekt aufgelegt werden, noch brauchte es grünes Licht vom Ministerium. Denn es fällt keine vorgesehene Unterrichtsstunde aus. Die Schule habe die bestehenden Möglichkeiten einfach "nur intelligent genutzt", wie Schulleiterin Sylvia Kemp sagt. Stunden der Fächer Technik, Wirtschaft, Hauswirtschaft, Wahlpflicht- und Förderstunden wurden zusammengefasst. Theorie und Praxis wechseln wöchentlich. Vergleichbares sei überall möglich, betont auch der Staatssekretär. Allerdings brauche es die örtlichen Voraussetzungen - also zum Beispiel Unternehmen, die solche Ideen befördern. Und einen Bürgermeister, der wie in Sülzetal die Schüler vom Gemeindebus zu den Firmen fahren lässt.

Quelle: Mitteldeutsche Zeitung, zitiert nach www.mz-web.de, 9.3.2005, Autorin: Ute Albersmann.

Kontakt

Sekundarschule Langenweddingen, Kirchtor 6

39171 Langenweddingen

Tel. und Fax 039305-21422

 

Beispiel BAFZ Roßlau

 


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