Was ist JUNIOR?
Das Institut der deutschen Wirtschaft (IW, siehe www.iw-koeln.de) hat das Projekt „JUNIOR – Junge Unternehmer initiieren – organisieren – realisieren“ ins Leben gerufen und begleitet dieses „Jung-Unternehmer-Programm“ für Schulen.
Wer kann an JUNIOR teilnehmen?
Das Angebot wendet sich an Schülerinnen und Schüler ab der 9. Klasse an allgemein- und berufsbildenden Schulen. Zehn bis 15 Schüler gründen dazu ein JUNIOR-Unternehmen, bei dem sie alle Funktionen inkl. die des Vorstandsvorsitzenden, selbst besetzen. Mit viel Kreativität entwickeln und vermarkten die jungen Unternehmer ihre Geschäftsidee ein Schuljahr lang am Markt. Die Auswahl der Geschäftsideen reicht von Produkten (z. B. Dinkelkissen, Bilderrahmen, Spiele, Duftöle) bis zu Dienstleistungen wie der Organisation von Veranstaltungen, Handykursen für Senioren, Computer- und Internetdienstleistungen.
Wer unterstützt JUNIOR?
Bei Schulpaten handelt es sich um Lehrer, die das Projekt mit den Schülern gemeinsam durchführen. Sie informieren über die JUNIOR-Angebote und sind erste Ansprechpartner vor Ort. Wirtschaftspaten sind Vertreter der örtlichen Wirtschaft. Ihr Wissen kommt den Schülern bei der Durchführung und Organisation ihres JUNIOR-Unternehmens zugute. Dazu zählen u. a.:
- Präsentation in der Öffentlichkeit
- Planung einer Hauptversammlung
- Buchführung
- Kundenansprache
- Kontakte mit Zulieferern
Einen Wirtschaftspaten gewinnt man entweder durch die bereits bestehenden Kontakte der Schule oder man nutzt die schulische Auftaktveranstaltung zum Dialog mit den Unternehmen vor Ort. Auch ehemalige Teilnehmer können Wirtschaftspaten werden und ihre Erfahrungen weitergeben.
Wie wird ein JUNIOR-Unternehmen finanziert?
Einen Anteilsschein erwerben die zukünftigen JUNIOR-Unternehmer, die restlichen Anteilsscheine können im Bekannten- und Verwandtenkreis verkauft werden. Darüber hinaus sollen auch Menschen angesprochen und als Anteilseigner gewonnen werden, die den JUNIOR-Unternehmern noch nicht bekannt sind. Diese sind gleichzeitig Gradmesser für die Marktfähigkeit des Produkts oder der Dienstleistung – denn wer investiert, glaubt auch an einen wirtschaftlichen Erfolg.
Mit dem Verkauf von Anteilsscheinen machen die Schüler Presse, Wirtschaft und Politik auf ihre Geschäftsidee aufmerksam. Die Anteilseigner geben in Hauptversammlungen ihre Zustimmung zu Geschäftsidee, Business-Plan und der Verwendung eines eventuellen Gewinns. Auftaktveranstaltung und Anmeldung
In allen Bundesländern finden jeweils in der zweiten Schuljahreshälfte JUNIOR-Infoveranstaltungen statt. Dabei erhalten die interessierten Lehrkräfte ausführliche Materialien zum Projekt und seiner Durchführung. JUNIOR-Unternehmen des jeweiligen Schuljahrs stellen dort ihre Geschäftsidee vor und beantworten die Fragen der Interessenten. Nach schriftlicher Anmeldung verschickt die JUNIOR-Geschäftsstelle die Handbücher und die notwendigen Formulare an die Lehrer.
Einschreibung und Projektbeginn
Haben sich genügend Schüler für die Projektteilnahme gefunden, schreibt sich das JUNIOR-Unternehmen in der Geschäftsstelle ein. Dort wird die Geschäftsidee und die Vollständigkeit der Unterlagen geprüft. Bestehen keine Einwände, werden folgende Dokumente für die Unternehmensgründung an den Vorstandsvorsitzenden versandt:
Geschäftstätigkeit der JUNIOR-Unternehmen
Zu Beginn der Geschäftstätigkeit müssen die jungen Unternehmer 90 Anteilsscheine à 10 Euro verkaufen. Anteilseigner können u. a. Mitschüler, Lehrer, Abgeordnete oder Geschäftsinhaber der Umgebung sein, die zuvor von der Geschäftsidee zu überzeugen sind.
Anschließend kümmern sich die Schüler um die erfolgreiche Umsetzung der Geschäftsidee am Markt. Dazu kaufen sie Rohstoffe und organisieren die Weiterverarbeitung. Absatzmärkte müssen analysiert und Marketingstrategien entwickelt werden.
Hilfestellung durch die JUNIOR-Geschäftsstelle
Während des gesamten Projektjahres steht die JUNIOR-Geschäftsstelle den jungen Unternehmern mit Rat und Tat zur Seite. Dort werden Fragen zur Buchführung und zur Unternehmensleitung ebenso wie Fragen zur Organisation und zum Ablauf beantwortet.
Hinweis: Jedes JUNIOR-Unternehmen muss monatlich Buchführungsunterlagen erstellen und an die JUNIOR-Geschäftsstelle versenden. Darauf erhält es ausführliche Feedbacks, die Aufschluss über die Richtigkeit der Unterlagen geben.
Veranstaltungen
Die JUNIOR-Geschäftsstelle organisiert während des Schuljahres verschiedene Veranstaltungen. Dazu zählen:
- JUNIOR-Unternehmertreff
- regionale JUNIOR-Messen
- JUNIOR-Landeswettbewerbe
Auflösung – Ende der Geschäftstätigkeit
Die Laufzeit der JUNIOR-Unternehmen ist auf ein Schuljahr begrenzt. Am Ende des Projektjahres lassen sich die Anteilseigner auszahlen bzw. entscheiden über die Verwendung eines eventuellen Gewinns.
Zertifikate als Bestätigung
Jeder Teilnehmer erhält zum Ende des Schuljahres sein Zertifikat, das für zukünftige Bewerbungen und bei der Suche nach Ausbildungsstellen und Studienplätzen von großem Vorteil ist. Die Vergabe hängt von folgenden Bedingungen ab:
- Nachweis der Geschäftstätigkeit innerhalb des Geschäftsjahres mittels der eingesendeten Buchführungsunterlagen
- Darlegung einer bestimmten Anzahl von Arbeitsstunden im JUNIOR-Unternehmen
- Ordnungsgemäße Auflösung des JUNIOR-Unternehmens am Ende des Schuljahres
Quelle: www.juniorprojekt.de
Kontakt:
JUNIOR-Geschäftsstelle
Institut der deutschen Wirtschaft Köln
Gustav-Heinemann-Ufer 84-88
50968 Köln
Tel.: 0221-4981-719
Fax: 0221-4981-799
Email: st@iwkoeln.de
Checkliste für Junior-Firmen
Für das Abarbeiten der nachfolgenden Checkliste kann zusammen mit Lehrern, Referenten aus IHK, handwerskammer, Agentur für Arbeit und Mitarbeitern von Banken, des Finanzamts und der Kommunalverwaltung abgearbeitet werden.
I Persönliche Voraussetzungen und Erwartungen in der Lerngruppe analysieren
1. Welche persönlichen Fertigkeiten liegen in der Gruppe vor?
2. Welche Erwartungen haben die einzelnen Mitglieder der Gruppe
II Geschäftsidee
1. Brainstorming: Welche Geschäftsidee soll dem Juniorunternehmen zugrunde gelegt werden?
2. Welchen Nutzen hat das Angebot?
3. Wie ist die Konkurrenzsituation auf dem Markt, welches Alleinstellungsmerkmal soll das Unternehmen auf dem Markt auszeichnen?
4. Wie bekannt ist das Produkt bzw. die Dienstleistung, die das Unternehmen anbietet?
5. Welchen Service bietet das Unternehmen rund um das Produkt bzw. die Dienstleistung?
III Marketing
1. Welche Kunden spricht das Unternehmen an?
2. Haben Sie schon Kontakt zu möglichen Kunden? Kennen Sie die Wünsche der Kunden?
3. Sind Sie voraussichtlich von einem bzw. von wenigen Kunden abhängig?
4. Wie groß ist das Marktvolumen der Zielgruppe?
5. Mit welchen Maßnahmen machen Sie das Produkt bzw. die Dienstleistung des Unternehmens bekannt(er) machen?
6. Kennen Sie für Ihren Markt Betriebsvergleichszahlen der Kammern oder Verbände?
IV Rechtliche Rahmenbedingungen
1. Welche rechtlichen Rahmenbedingungen sind einzuhalten (z.B. Gewerbeordnung, Wettbewerbsrecht, Steuerrecht, Sozialversicherungsrecht)?
2. Wie wird eine Bilanz erstellt?
3. Wie erstellt man eine Gewinn- und Verlustrechnung?
V Produktionswirtschaftliche Entscheidungen
1. Wir muss die Produktion des Produkts bzw. die Herstellung der Dienstleistung geplant werden?
2. Welche einzelnen Schritte sind zu unternehmen?
3. Wie viel Zeit muss dafür veranschlagt werden?
4. Wie kommt das Produkt/die Dienstleistung zum Kunden?
5. Welche Investitionen müssen getätigt werden? Wie werden diese genau finanziert? Wann muss wie viel Geld zur Verfügung stehen?
Verzeichnis der Juniorfirmen in Sachsen-Anhalt
www.juniorprojekt.de/ siehe dort: Bundesländer
Presseartikel: Schüler lernen wirtschaftliche Zusammenhänge kennen
Michael Oelze ist erst 16, aber er leitet schon ein Unternehmen. Stolz präsentierte er sich vergangene Woche bei der ersten Gesellschafterversammlung der Magdeburger Schülerfirma SIEvents als Vorstandsvorsitzender. Für die Gesellschafter – Eltern und Verwandte – hatte er eine gute Nachricht parat: „Sie haben in den vergangenen drei Monaten 30 Prozent Gewinn gemacht.“
Acht Zehntklässler des Magdeburger Werner-von-Siemens-Gymnasiums organisieren seit November mit ihrer Firma Veranstaltungen an der Schule. Sie begannen mit Würstchenverkauf, richteten dann Weihnachts- und Faschingsfeiern für Mitschüler aus und organisierten zuletzt eine Netzwerk-Party für Computerspieler. Jetzt wollen die Schüler hoch hinaus und bei einem Schultreffen in Magdeburg die gastronomische Versorgung übernehmen – für 10 000 Schüler. Die Firma ist zwar ein Verein, alles läuft aber professionell wie bei einer Aktiengesellschaft ab: Die Schüler erzielen Einnahmen, zahlen Löhne und Steuern – und machen unter dem Strich Gewinn.
SIEvent (Siemens Event) ist eine von derzeit sieben Schülerfirmen in Sachsen-Anhalt und fast 300 bundesweit, die an dem Projekt „JUNIOR“ des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft teilnehmen. Seit 1994 unterstützt das Institut Schüler ab der 9. Klasse dabei, für ein Jahr ein Unternehmen zu gründen. Ziel ist, dass Schüler wirtschaftliche Zusammenhänge kennen lernen sowie Selbständigkeit und Eigeninitiative entwickeln. Als Gegenleistung für die Beratungstätigkeit müssen die Schüler dem Institut Abgaben („Steuern“) zahlen.
Das Magdeburger Siemens-Gymnasium ist bei dem Projekt Vorreiter. Dort seien vor mehr als zehn Jahren die ersten „JUNIOR“-Unternehmen überhaupt gegründet worden, sagt Wirtschaftslehrer Martin Wesch. Eines davon, eine Software-Firma, bestehe noch heute.
Dass Unternehmen nach Ablauf des Projektjahres weitergeführt werden, ist laut Wesch aber die Ausnahme. In der Regel scheitere dies schon daran, dass die Schüler noch nicht das geschäftsfähige Alter von 18 Jahren erreicht haben.
Bei den Geschäftsideen sind den Schülern kaum Grenzen gesetzt. Die derzeitigen Schülerfirmen in Sachsen-Anhalt – je zwei aus Magdeburg, Halle und Wittenberg sowie eines aus Halberstadt – geben etwa Nachhilfe, leiten Computerkurse oder helfen Senioren im Haushalt. Das Startkapital bekamen sie durch den Verkauf von Anteilsscheinen an Verwandte.
Bei Auflösung der Firmen werden die Gesellschafter ausgezahlt. Ob am Ende ein Gewinn herausspringt, ist für Michael Oelze nebensächlich. Aus seiner Sicht lohnt sich das Projekt in jedem Fall. „Wer aus der Schule herausgeht, hat meist keine Ahnung, wie ein Unternehmen funktioniert“, sagt er. „Wir schon.“
Quelle: Magdeburger Volksstimme, 26.2.2005, Autor: Philipp Hoffman


